Präambel
Mit den Kommunalwahlen 1999 errangen die Ahauser GRÜNEN zum ersten Mal ein Ratsmandat in Ahaus.
Seitdem haben wir an der nachhaltigen Weiterentwicklung unserer Stadt mitgewirkt und in den
zurückliegenden Jahren nicht nur kontinuierlich unseren Stimmenanteil bei den nachfolgenden Wahlen
erhöht, sondern auch starke politische Akzente in unserer Stadt gesetzt.
In den vor uns liegenden schwierigen Jahren gilt es weiter Kurs zu halten, die eingeschlagene
Richtung für mehr Klima- und Naturschutz, mehr Bürgerbeteiligung, mehr Wohnraum, eine kluge
Finanz- und Wirtschaftspolitik und nicht zuletzt die Digitalisierung konsequent im Sinne einer am
Gemeinwohl orientierten Politik fortzusetzen und Ahaus mit seinen Ortsteilen als unsere lebenswerte
Stadt weiterzuentwickeln.
Mit diesem Programm legen wir unsere Vorstellungen und politischen Forderungen vor und wollen mit
Euch gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft in Ahaus gestalten.
Stadtentwicklung
Stadtentwicklung ist für uns GRÜNE mehr als nur Planung und Bauen. Wir wollen Lebensräume schaffen,
in denen die Ahauser:innen gerne leben und arbeiten, und wir betrachten die Entwicklung unserer
Stadt als ein ganzheitliches Konstrukt. Das soziale Miteinander, die Kultur, der Sport, die
Versorgung unserer Bevölkerung und eine lebenswerte, freundliche Atmosphäre sind für uns wichtige
Indikatoren für das Lebensgefühl in Ahaus.
Mit dem Umbau der Wallstraße bis 2027 und den weiteren Plänen zur Neugestaltung des
Innenstadtbereichs machen wir unseren urbanen Lebensraum zukunftsfähig. Es geht darum, das
Lebensgefühl der Ahauser:innen zu verbessern. Hier soll man sicher und gut leben, sich einfach
wohlfühlen und gerne in der Innenstadt und den Ortsteilen feiern, einkaufen, Freund:innen treffen
und sich aufgehoben fühlen.
Das wollen wir umsetzen:
- Urbanität leben
- Kultur für alle
- Vielfalt fördern
- Aufenthaltsqualität verbessern
Klima- und Umweltschutz
Der Schutz und Erhalt unserer Umwelt ist in der DNA der GRÜNEN der zentrale Dreh- und Angelpunkt.
In den zurückliegenden Jahren haben wir schon viel in Ahaus erreicht. Aber wir dürfen auch in
herausfordernden Zeiten nicht unseren Kompass der Zukunft verlieren. Klima- und Umweltschutz ist
kein Nebenschauplatz, sondern die Leitlinie für alle Entscheidungen in unserer Stadt. Nur durch
vorausschauendes Handeln wird Ahaus auch in der Zukunft eine lebenswerte, moderne Stadt bleiben.
Das wollen wir umsetzen:
- Baumschutzsatzung
- Sicherstellung unserer natürlichen Lebensgrundlagen
- Abfallvermeidung belohnen durch gerechtere Gebühren
- Versiegelungen vermeiden
- Renaturierung
- Lokaler Flächenausgleich
- Biodiversität und landwirtschaftliche Produktion vereinen
- Schutzgebiete erhalten
Wirtschafts- und Finanzpolitik
Im Gegensatz zu unseren Mitbewerber:innen bei dieser Kommunalwahl stehen wir nicht für eine
restriktive Finanz- und Wirtschaftspolitik. Schuldenfreiheit um jeden Preis ist keine nachhaltige
Politik, sondern geht zu Lasten der nachfolgenden Generationen, die die Versäumnisse unserer
Generation in späteren Jahren ausgleichen müssen. Jetzt ist es an der Zeit, zielgerichtet und
mutig in unser Gemeinwesen zu investieren. Dass Ahaus dazu in der Lage ist, verdeutlichen die
Haushaltsabschlüsse der zurückliegenden Jahre. Trotz vielfältiger Krisen in unserer Welt stiegen
die Steuereinnahmen in nicht gekanntem Ausmaß. Jetzt gilt es, klug für die Zukunft zu investieren.
Das wollen wir umsetzen:
- Generationengerechtigkeit
- Mehr bezahlbarer Wohnraum durch eine städtische Wohnungsbaugesellschaft
- Stärkung unserer Wirtschaft und Arbeitsplätze
- Mehr Investitionen in Zukunftstechnologien
- Digitalisierung vorantreiben
- Förderprogramme vereinfachen
- Vereine, Verbände und Ehrenamt stärken
Energieversorgung
Der gesetzliche Auftrag zur Klimaneutralität bis 2045 ist für uns Verpflichtung und Chance
zugleich. Wir setzen bei der Umsetzung auf alle beteiligten Akteure und lassen keinen zurück.
Gerecht, bezahlbar und mit einer breiten Akzeptanz wollen wir in Ahaus partnerschaftlich die
Herausforderungen angehen. Der Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung gelingt nur, wenn wir
strategisch handeln und die Bevölkerung konsequent in die Entscheidungsprozesse einbinden. Wir
sprechen heute nicht von Verboten: Wir sprechen von den Chancen bei den Arbeitsplätzen in den
Zukunftsbranchen, von sauberer Luft, von niedrigen Energiekosten durch Effizienzsteigerung und von
der Bewahrung unserer Umwelt.
Das wollen wir umsetzen:
- Energie aus erneuerbaren Quellen
- Wärmeplan konsequent umsetzen
- Heiztechnik modernisieren und kommunale Förderprogramme installieren
- Tiefen- und Flächengeothermie nutzen
- Stromnetzausbau voranbringen
- Soziale Gerechtigkeit durch günstigere Tarife für Haushalte mit niedrigem Einkommen
- Regionale Strukturhilfen
- Kommunale Pilotprojekte im Bereich der Batteriespeicherung
- Erfolge sichtbarer machen
- Innovationen fördern und erlebbar machen
Mobilität
Wir wollen die Potenziale für eine aktive, gerechte und ausgewogene Mobilität in Ahaus weiter
ausbauen. In der autodominierten Verkehrsplanung wurden das Gehen und der Radverkehr jahrzehntelang
an den Rand gedrängt. Auch wenn wir in Ahaus einen Bewusstseinswandel angestoßen haben, wirken die
Fehler der Vergangenheit noch nach. Aktive Mobilität ist platzsparend, verhindert unnötige
Versiegelungen, ist emissionsfrei und hat erhebliche Gesundheitsvorteile – für alle. Das Bewusstsein
für die Bedeutung aktiver Mobilität muss deshalb weiter steigen. Sicher, sauber, bezahlbar, inklusiv –
und schneller als heute!
Das wollen wir umsetzen:
- Schneller Ausbau von Fuß- und Radwegen
- Generelles Tempo 30 in der Innenstadt
- Mehr Raum für Fuß- und Radverkehr
- Kostenloser ÖPNV in Ahaus
- Takt statt Linien: 10-Minuten-Grundtakt und regionale, integrale Taktknoten
- Busspuren, Vorrangampelschaltungen, E-Busse
- Car-, Bike- und Scooter-Sharing
- On-Demand-Shuttles
- Ausbau Ladeinfrastruktur
- Verbot von Schwerlastverkehr in der Innenstadt
- Lieferfristen und Ladezonenmanagement digital steuern
- Vision Zero als Standard
- Barrierefreiheit
Kultur und Sport
Eine zukunftsfähige Kultur- und Sportpolitik ist inklusiv, nachhaltig, innovationsfreundlich und
für alle zugänglich. Sie ist Motor von Identität, Integration, Gesundheit, Bildung und Wirtschaft
und berücksichtigt die Herausforderungen von Digitalisierung, Demografie und Klimaschutz. Kultur
und Sport sind keine Luxusgüter, sondern elementare Bausteine gesellschaftlicher Teilhabe –
unabhängig von Einkommen, Alter, Herkunft oder Wohnort.
Das wollen wir für die Kultur umsetzen:
- Ausbau von kostenfreien und günstigen Angeboten
- Verdopplung des bestehenden Kulturbudgets
- Digitale Kulturplattformen
- Faire Bezahlung von Künstler:innen
- Ateliers und Proberäume kostenlos in kommunalen Immobilien bereitstellen
- Mobile Kulturangebote (Kulturbus, Pop-up-Bühnen)
- Förderung von Virtual Reality, KI-Kunst, hybriden Festivals
- Kooperationen mit Start-ups und Hochschulen
- Livestreams der Veranstaltungen im Kulturquadrat und der Tonhalle
Das wollen wir für den Sport umsetzen:
- Sportstätten-Modernisierung (barrierefrei, energieeffizient, digital gesteuert)
- Sport- und Fitnessflächen in Parkanlagen
- Ausbau von inklusiven Sportangeboten
- Interkulturelle Programme
- Förderung von Randsportarten
Bürgerbeteiligung
Eine lebendige Gesellschaft braucht die Beteiligung der Bürger:innen an politischen Entscheidungen.
Sie schafft Transparenz, fördert das Verständnis für komplexe Zusammenhänge und stärkt das Vertrauen
in demokratische Prozesse. Besonders auf kommunaler Ebene ist aktive Teilhabe unerlässlich. Wir
wollen Beteiligung besser, zeitgemäßer und niedrigschwelliger organisieren – insbesondere für junge
Menschen. Bürgerbeteiligung darf nicht bei Informationsveranstaltungen stehen bleiben, sondern muss
echte Mitsprache ermöglichen.
Das wollen wir umsetzen:
- Einführung einer App für Beteiligungsverfahren – mehr Bürgernähe und Beteiligungsbreite
- Förderung digitaler Umfragen zur Unterstützung des Stadtrates
- Einführung eines Bürger:innenbudgets von 100.000 € pro Jahr für eigene Ideen
Gesundheit und Pflege
Eine gute und verlässliche Gesundheitsversorgung ist unverzichtbar – in Stadt und Land. Leider ist
die Zahl der Haus- und Fachärzt:innen seit Jahren rückläufig. Gleichzeitig steigt der Bedarf an
ambulanter Versorgung, Nachsorge und Therapieangeboten. Gemeinsam mit Kliniken, niedergelassenen
Ärzt:innen und weiteren Akteur:innen wollen wir die medizinische Versorgung in Ahaus so stärken,
dass niemand ohne Hilfe bleibt.
Der Bedarf an Pflegeleistungen steigt – bei gleichzeitig zunehmendem Fachkräftemangel. Wir setzen
uns für den Ausbau von Möglichkeiten für das Leben zu Hause oder in gemeinschaftlichen Wohn- und
Pflegeformen ein. Ziel ist, eigenverantwortliches Leben so lange wie möglich zu ermöglichen sowie
Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder hinauszuschieben.
Das wollen wir umsetzen:
- Ein kommunales medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) für eine verlässliche Versorgung vor Ort
- Kostenlose Bereitstellung von Hygieneartikeln, insbesondere Menstruationsprodukten, in öffentlichen Einrichtungen
- Eine lebenswerte Stadt mit zielgruppengerechten Angeboten der Gesundheitsförderung
- Unterstützung der Gesundheitsbedarfe von Menschen, die von Armut betroffen sind, sowie von Kindern, Frauen, queeren Menschen und Menschen mit Behinderung
- Barrierearmer Zugang zu medizinischer Versorgung für alle
- Eine kommunale Gesundheitsstrategie mit Klima- und Umweltschutz sowie Vorsorge gegen Hitze, Trockenheit und Extremwetter
- Ausbau ambulanter Pflege sowie gemeinschaftlicher Wohnformen mit diskriminierungs- und diversitätssensiblem Zugang
- Zukunftsfeste Pflege durch kommunale Pflegebedarfsplanung
Kinder, Jugend, Familie und Senior:innen
Kinder und Jugendliche engagieren sich stärker, wenn sie echte Mitgestaltungsmöglichkeiten erhalten.
Wir wollen Partizipation vergrößern sowie Teilhabe und Mitbestimmung ausbauen. Familien in Ahaus
haben unterschiedliche Lebenslagen – und damit unterschiedliche Bedarfe. Wir setzen uns für
zielgerichtete, bedarfsgerechte Unterstützungsangebote ein. Senior:innen sollen ihr Umfeld nicht
wegen Pflegebedürftigkeit oder mangelnder Infrastruktur verlassen müssen; Teilhabe vor Ort hat
Priorität. Alle Stadtteile sollen über ein Begegnungszentrum für ältere Menschen verfügen. Mit
Gemeinschaftsräumen in Mehrfamilienhäusern wollen wir seniorengerechte Begegnungen in Wohnnähe
ermöglichen.
Das wollen wir umsetzen:
- Öffnung von Schulen und Büchereien als Lernort über den Schulbetrieb hinaus – Demokratie und Menschenrechte erleben
- Spielplätze zu den saubersten Orten in Ahaus machen
- Beteiligung von einem jungen Menschen aus dem Jugendbeirat in den Ausschüssen – gesicherte Jugendpartizipation
- Programm mit Anreizen, als Erzieher:in in Ahauser Kitas tätig zu werden und zu bleiben
- Kindeswohl sichern: mehr Fachstellen für Jugendarbeit und Prävention (u. a. gegen sexualisierte Gewalt, Mobbing, Cybergrooming, Onlinesucht)
- Ausbau der Stellen im Jugendwerk Ahaus
- Stadt- und Verkehrsplanung für alle Generationen – u. a. mit Blick auf Kinderwagen, Rollatoren und Fahrräder
- Gleichstellungsorientierte Familienpolitik – insbesondere, um Frauen Vollzeit-Erwerb zu ermöglichen
- Ausbau von Betreuungsangeboten für Kinder jeden Alters zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie
- Förderung der Karriere von Frauen bei der Stadt Ahaus und den städtischen Töchtern – inklusive Vernetzungsprogramme
- Schaffung einer Stelle zur pädagogischen Begleitung in der Stadtverwaltung zur Unterstützung politisch aktiver Jugendlicher
- Einrichtung eines Kinder- und Jugendbeirates oder eines Kinderparlaments
- Senior:innenbeirat stärken – gemeinsam mit der Stadt Koordinierungs- und Beratungsfunktion, z. B. für Pflegeeinrichtungen
- Altersgerechtes Wohnen sichern – barrierefreie Nahversorgung und gute Infrastruktur für Pflege und Dienstleistungen
Integration und Gleichstellung
Die Fachkräftesicherung ist eine zentrale Herausforderung. Menschen, die nach Deutschland kommen,
können einen wichtigen Beitrag leisten – wenn Wege in Bildung und Beruf von Anfang an offenstehen.
Auch Ahaus ist auf Einwanderung angewiesen. Im Wettbewerb um Fach- und Arbeitskräfte müssen wir
Ahaus attraktiver machen. Geflüchteten wollen wir einen sicheren Zufluchtsort bieten, Teilhabe
ermöglichen und eine Willkommenskultur entwickeln. Ein Integrationsrat soll Brücken bauen, vernetzen,
Ansprechpartner:in sein und Erfahrungen bündeln. Zugleich wollen wir geringqualifizierte Menschen
besser in Arbeit integrieren und arbeitsmarktferne Familien an Erwerbsleben heranführen.
Das wollen wir umsetzen:
- Viermal jährlich Treffen des Arbeitskreises für Integration und Migration zur Zusammenarbeit und Projektentwicklung
- Wartezeiten für Sprach- und Integrationskurse verringern
- Aktiv Flagge zeigen gegen Rassismus
- Wartezeiten bei beruflicher Anerkennung verkürzen – mehr Begleitung in Anerkennungsverfahren
- Konsequente Fördermöglichkeiten zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen
- Ausweitung und Verbesserung von Programmen wie „Kein Abschluss ohne Anschluss“
Soziales
Eine zukunftsgerechte, soziale Stadt fördert das Miteinander. Sie lebt von Gemeinschaft und
sozialem Zusammenhalt. Nachhaltige Sozialpolitik hat die Bedürfnisse aller Bürger:innen im Blick
und schafft inklusive, vielseitige und lebendige Räume. Nur durch das Zusammenspiel von urbaner
Entwicklung und sozialer Verantwortung gelingen soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Veränderung.
Das wollen wir umsetzen:
- Förderung von Investitionen in den sozialen Wohnungsbau
- 30 % Sozialwohnungen beim Neubau von Mehrfamilienhäusern
- Zukunftsfähige, sichere öffentliche Infrastruktur – u. a. Einführung versenkbarer Poller
- Errichtung eines barrierefreien Schutzhauses in Ahaus für Menschen, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind
Bildung
Bildung ist das Fundament unserer Gesellschaft – sie ermöglicht Teilhabe, stärkt den sozialen
Zusammenhalt und fördert Vielfalt. Gute Bildung ist mehr als Wissensvermittlung: Sie schützt unsere
Demokratie und schafft Perspektiven. Bildung beginnt in der Kommune. Ahaus übernimmt Verantwortung
für ein vielfältiges, inklusives und qualitativ hochwertiges Bildungsangebot – für alle Generationen.
Das wollen wir umsetzen:
- Inklusion und Barrierefreiheit in allen Bildungseinrichtungen
- Stärkung der schulischen und außerschulischen Sozialarbeit
- Kita-Betreuung sichern – analog zur Kindertagespflege auch in allen Kitas
- Flexible OGS-Zeiten, angepasst an die Bedürfnisse von Familien
- Förderung einer Pädagogik mit Zukunft – am Puls der Zeit
- Förderung der Bildungsbetriebe und Schulträger
